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Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in der ARD-Talkshow von Anne Will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Anne Will

“Ich mache für alle Menschen in Deutschland Politik”

Anne Will-Talk mal anders: Keine fünf oder sechs Köpfe, nur vier Augen – die Moderatorin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Abend sollte eine Art Status-Report ihrer Politik werden. Über allem schwebte das Schwert mit der Frage: “Wann steuern Sie um, Frau Merkel?”

Vor fünf Monaten hatte die Bundeskanzlerin schon einmal in dem TV-Studio der Talkmasterin Will gesessen. Mit einem Plan für die Flüchtlingskrise im Gepäck, Willkommenskultur im Herzen und Rückhalt in Partei und Gesellschaft. Nun wirkte es, als wolle Merkel Rechenschaft über ihre bis dato geleistete Flüchtlingspolitik ablegen und sich ein wenig Zuspruch abholen. Denn gefühlt ist es einsam geworden um sie. “Ich sehe eine Polarisierung”, sagte sie nun mit Blick auf die kontroverse Diskussion in der Gesellschaft.

Merkel hat einen Plan

Breitseiten gegen sie werden genug geschossen. “Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts”: Unter diesem Eindruck aus dem Volk forderte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) einen Sozialpakt. 81 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend meinten, Merkel habe “keinen Plan”, rechnete Will ihr vor. Aus der Ruhe brachte das die Kanzlerin nicht. Das ist auch die Haupterkenntnis des Talks: “Weil ich zutiefst überzeugt bin, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe, der richtige ist.”

Gabriel? Der solle sich nicht so klein machen. Immerhin hätten die Sozialdemokraten viel dazu beigetragen, dass man in der Legislaturperiode gerade in soziale Leistungen investiert habe. Kein Plan? Viele Menschen fänden es weiterhin wichtig, Kriegsflüchtlingen zu helfen. “Ich mache für alle Menschen in Deutschland Politik”, betonte Merkel, um so die Kritiker abzuholen. Will jedoch provozierte die Kanzlerin weiter. Edmund Stoiber (CSU) meine, Merkel habe Deutschland gespalten. “Ich habe da einfach eine andere Meinung”, so ihre einfache Antwort.

Europa als Hauptthema des Abends

Immerhin sei gerade Stoiber ein Verfechter Europas, so Merkel. Schengen wiederherstellen, EU-Außengrenzen schützen und Griechenland bei der Bewältigung der Flüchtlingsmassen unterstützen: das sind die Eckpfeiler ihrer Europapolitik. Einzellösungen der Balkanstaaten seien da nicht hilfreich. Auch hier schien wieder Merkels scheinbar grenzenloser Optimismus durch: “Ich denke, dass ich sie überzeugt bekomme.”

Nur einmal schäumte es ein wenig in ihr, als sie auf Wills Zweifel, ob das wohl gelänge, entgegnete: “Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit besteht darin, alles zu tun, dass dieses Europa einen gemeinsamen Weg findet.” Obergrenzen in Form fester Zahlen erteilte sie zum wiederholten Male eine klare Absage. Man könne nicht der Türkei vorschreiben, möglichst viele Syrer aufzunehmen, wenn man insgeheim im eigenen Land Grenzwerte beschlossen habe.

Der Talk plätschert so dahin

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Die Sendung indes hätte mehr als ein “Frage-Antwort-Spiel” verdient gehabt. Was wäre es für den Zuschauer erhellend oder zumindest amüsant gewesen, Merkel mit Horst Seehofer (CSU), der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner oder Claudia Roth von den Grünen zu konfrontieren. Auch blieben die fast 1.700 Kommentare im Online-Gästebuch der Sendung oder die vielen Statements auf Facebook unerwähnt.

Dabei hätte es hier Potential gegeben: Was wird wie finanziert? Was geschieht bei einem Konjunkturabschwung? Auch interessant die Anmerkung, warum man nicht mehr gegen die Kriegsursachen in Syrien täte. Rechtsruck zugunsten der AfD vor den Landtagswahlen? Kritik in den eigenen Parteireihen? Fragen, die nur kurz angeschnitten wurden. Merkels Credo auch hier: Kurs halten.

Kanzlerin lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Will indes versuchte es zumindest. Hakte charmant nach, bohrte auch ein wenig. Erfolg hatte sie damit nicht. Merkels Antworten drehten sich immer wieder um die Zuversicht, zum einen das Richtige zu tun und zum anderen, viele Zweifler im Laufe der Zeit ins Boot zu holen.

Zudem entstand der Eindruck, dass im Vorfeld der Sendung viel abgesprochen worden war. Fast neckisch amüsierten sich beide über eine Nachfrage Merkels, “ob der Teil schon dran ist, an dem ich das sagen darf.”

Keine Konsequenzen

Eine Bühne für sie ist der Talk mit Will allemal. Fraglich nur, wie sie sie verlässt. Ob sie Konsequenzen zöge, wenn der angestrebte europäische Weg letztendlich doch fehl schlage? Merkel lächelte und sagte: “Nein. Dann muss ich ja weiter machen.” Nur rechts rudern, um mit ihrem Boot die Wende zu schaffen, wird Merkel nicht.

Das ist auch das, was der Zuschauer aus der Sendung mitnehmen konnte: Merkel glaubt an ihr Ideal eines starken Europa, die Krisenfestigkeit der Europäischen Union und eine Vielzahl an Unterstützern. Auch wenn Horst Seehofer ausdrücklich nicht zu diesem Kreis gehört.


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